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Neue Impulse für den europäischen Weinmarkt

"Herausforderungen für die europäische Weinbranche im kommenden Jahrzehnt" war das Seminar überschrieben, das am 28./29. November in Brüssel von den beiden europäischen Dachverbänden der Weinwirtschaft COPA/COGECA und Comité Vins gemeinsam mit der EU-Kommission organisiert wurde. Es war insofern ein historisches Ereignis, als zum ersten Mal Vertreter der Erzeuger, der Kellereien, des Handels und der Brüsseler Behörden gemeinsam eine Neuorientierung in der Europäischen Weinbaupolitik suchten.

Bei der Analyse stand der Vergleich mit den weinbautreibenden Ländern der Neuen Welt im Vordergrund. Obwohl prominente Persönlichkeiten wie der in Chile und Kalifornien engagierte Spanier Miguel Torres eine Lanze für das superliberale Modell "Neue Welt" brachen, sprachen sich die europäischen Dachverbände mit ihren Sprechern Joel Castany (COPA/COGECA) und George Sandeman (CEV) überwiegend für eine Fortentwicklung des europäischen Modells aus. Für den Deutschen Weinbauverband forderte Norbert Weber eine Neuorientierung zu Lasten der Intervention und zu Gunsten von neuen absatzfördernden Instrumenten in der Europäischen Weinbaupolitik. Er wiederholte seine massive Kritik an der siebenmonatigen Verschiebung der neuen EU-Bezeichnungsregelung, die ab 1.1.2003 eine merkliche Liberalisierung bringen sollte.

Allan Cheesman, Chefeinkäufer der britischen Handelskette Sainsbury, mahnte die europäischen Weinanbieter: "Macht es den Konsumenten einfacher, helft ihnen, ihr Informationsbedürfnis zu stillen."

Laut Cheesman nimmt sich der durchschnittliche Verbraucher im LEH 8 Sekunden Zeit, um sich für einen Softdrink zu entscheiden, für Wein ca. 44 Sekunden. Diese Sichtweise hatte bereits Eingang in den Teil des Positionspapier der Fachgruppe Wein von COPA/COGECA gefunden, das vom Vizepräsidenten der Gruppe, Dr. Rudolf Nickenig, vorgestellt wurde. Es basiert auf der Einrichtung einer EU-Marktbeobachtungsstelle, die die Entwicklung der Produktion, der Distribution und der Konsumtrends (Handels- und Verbraucherpanel etc.) verfolgt. Hierauf soll eine konsumorientierte vertikale Produktions- und Absatzpolitik aufgebaut werden, die auf einer Vernetzung der Erzeuger und der Kellereien basiert. Qualitätsmanagement, Vertragsweinbau ("Contraction"), neue Finanz- und Fördertechniken sind nur einige der Instrumentarien, die zu einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit führen sollen.

Aus verschiedenen Diskussionsbeiträgen (insbesondere aus denen der Vertreter südeuropäischer Länder) wurde deutlich, dass noch ein intensiver Meinungsaustausch zwischen produktions- und interventionsorientierten Vertretern auf der einen Seite und marktorientierten Vertreter auf der anderen Seite erforderlich ist, bis ein gemeinsamer Vorschlag für eine "Reform der Weinmarktreform" vorgelegt werden kann. In seinem Schlusswort gab der Kabinettchef von Kommissar Fischler, Conrado Pirzio-Biroli, der Branche ein halbes Jahr Zeit, um sich zu einigen. Im zweiten Halbjahr 2003 will die EU-Kommission einen eigenen Vorschlag erarbeiten.

 

 

 

 

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