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Der
Jahrgang 2002 - eine erste Einschätzung

Nach
einem günstigen Witterungsverlauf erwarten wir in Rheinhessen
einen Jahrgang mit leicht überdurchschnittlicher Menge und erstaunlich
guten Qualitäten. Insbesondere das bilderbuchhafte sonnige Wetter
im September und der bis zur Monatsmitte goldene Oktober schenkten
dem Jahrgang die notwendige physiologische Reife bei insgesamt
ausgewogener Wasser- und Nährstoffversorgung. Die östlichen
Winde konnten die anfängliche Fäulnis rasch zum Stillstand bringen
und sorgten durch die Verdunstung für die Konzentration der
Mostinhaltsstoffe in den Beeren. Die kühlen Nachttemperaturen
haben für sehr viel Aroma im Saft gesorgt, so dass man mit sehr
fruchtigen Weinen aus dem Jahrgang 2002 rechnen kann. Von Rebsorten
wie Müller-Thurgau, Kerner, Scheurebe und Silvaner konnten in
nicht ausgedünnten Anlagen sehr hohe Erträge geerntet werden.
Gleichzeitig lagen die Mostgewichte noch bei erstaunlichen 80
Grad und darüber.
Die
echten Joker des 2002er Jahrgangs hängen in guten Lagen zum
Teil noch am Stock: Es sind die ertragsreduzierten Rieslinge
mit mehr als 90o Oechsle, ausgestattet mit einem Füllhorn an
Fruchtaromen, die uns auf Spitzenweine hoffen lassen. Aber auch
Burgunder- und Silvanerweine werden dem Jahrgang eine besondere
Note geben. Hier hoffen die Winzer jedoch, dass die momentane
Regenperiode schnell zu Ende geht und wieder trockener Herbstwitterung
weicht.
Die
Rotweine, die nahezu komplett in den Kellern gären, zeigen bei
ebenfalls guten Erträgen eine kräftige Farbe, wobei diese bei
ausgedünnten Weinbergen noch wesentlich stärker ausgeprägt ist.
Gerade Rebsorten wie Spätburgunder und Portugieser belohnen
dem Winzer die Ausdünnung mit besserer Farbausbeute. Beim Spätburgunder
gingen die Mostgewichte in diesen Anlagen über die 100o Marke
hinaus. Der Dornfelder, der sich jetzt fest in den rheinhessischen
Weinbergen etabliert hat, eröffnet dieses Jahr durch außerordentlich
gute Erträge für jeden Weingenießer die Chance, auch eine Kiste
des wohl begehrtesten deutschen Rotweines abzubekommen.
Der Jahrgang 2002 dürfte somit ein Jahrgang sein, wie ihn der
Verbraucher sich wünscht: Fruchtige Weine mit geringen Weinsäuregehalten.
Somit Weine, die ganz im Stil der Zeit jung getrunken werden
können. Und durch zahlreiche Projekte in der Zusammenarbeit
von Winzern und Kellereien gibt es im nächsten Frühjahr auch
im Lebensmittelhandel eine ganze Reihe toller Weinen zu entdecken.
Gleichzeitig bescherte uns dieser Herbst für besondere Anlässe
auch Dessertweine mit zum Teil rekordverdächtigen Mostgewichten.
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